Akutes Koronarsyndrom: Glukose-Insulin-Kalium (GIK-Lösung) in der Notfallbehandlung
Laborstudien lassen vermuten, das Infusionen mit Glukose-Insulin-Kalium-Lösung (GIK) bei akutem Koronarsyndrom, ischämiebedingte Arrhythmien und Myokardinfarkte verhindern könnten. Dies wurde nun erstmals im echten Notfallsetting bei Patienten mit ACS-Verdacht überprüft.
An der IMMEDIAT-Studie beteiligten sich 36 Rettungsdienste aus 13 US-amerikanischen Städten. 871 Patienten (mittleres Alter 63.6, 71% Männer), die wegen Verdacht auf ein ACS rettungsmedizinisch versorgt wurden, erhielten innert der ersten Stunde nach Symptombeginn und nach bestätigter ACS-Diagnose (EKG mit computergestützter Diagnosehilfe) entweder eine GIK-Infusion (n=411) oder eine Placebo-Infusion (Glukoselösung 5%, n=460) über 12 Stunden. Primärer Endpunkt war die Entwicklung eines Myokardinfarkts innerhalb der nächsten 24 Stunden (bestätigt durch Labor und EKG). Sekundäre Endpunkte waren Gesamtmortalität nach 30 Tagen, sowie die kombinierte Rate von ambulant oder stationär erlittenem Herzstillstand und Tod im Spital.
Beide Gruppen (GIK vs. Placebo) unterschieden sich nicht signifikant weder bei der Myokardinfarktrate nach 24 Stunden (48.7% vs. 52.6%, OR 0.88, p=0.28) noch bei der Mortalität nach 30 Tagen (4.4% vs. 6.1%, OR 0.72, p=0.27). Beim kombinierten sekundären Endpunkt (ambulanter oder stationärer Herzstillstand, Tod im Spital) schnitt die GIK-Gruppe signifikant besser ab: 4.4% vs. 8.7% (OR 0.48, p=0.01). In der STEMI-Gruppe (163 in der GIK-Gruppe, 194 in der Placebogruppe) lag die Myokardinfarktrate nach 24 Stunden bei 85.3% und 88.7% (OR 0.74, p=0.34), die Mortalitätsrate nach 30 Tagen bei 4.9% und 7.7% (HR 0.63, p=0.29). Beim kombinierten sekundären Endpunkt lagen die Raten bei 6.1% (GIK-Gruppe) vs. 14.4% (Placebogruppe) (OR 0.39, p=0.01). Die Raten schwerer Nebenwirkungen waren nich signifikant verschieden (6.8% vs. 8.9%, p=0.26).
Konklusion der Autoren: Eine GIK-Infusion (Glukoselösung mit Insulin- und Kaliumzusatz) bei der rettungsmedizinischen Erstversorgung von Patienten mit akutem Koronarsyndrom scheint weder die Entwicklung eines Herzinfarktes noch die Mortalität innert 30 Tagen signifikant zu beeinflussen. In der Verumgruppe traten signifikant weniger Fälle von Herzstillstand und Tod im Spital auf.
Link zur Studie
JAMA 2012, Online Publikation am 27. März - Selker HP et al.
20.04.2012 - gem